Die Philadelphia and Reading Railroad war nicht nur ein Transportnetz. Es war ein Jahrhundert lang das wirtschaftliche Rückgrat der Anthrazitindustrie in Pennsylvania. Mitte des 20. Jahrhunderts war es der größte Transporteur von Anthrazitkohle in Amerika. Diese Dominanz beruhte auf einem einzigen, volatilen Rohstoff: Kohle.
Die Geschichte beginnt im Jahr 1833. Die Linie übernahm mehrere etablierte Strecken, darunter die Philadelphia-, Germantown- und Norristown-Linie. Auf dieser Strecke ließ der Erfinder Matthias Baldwin 1832 seine erste Lokomotive fahren. Er nannte sie „Old Ironsides“ (Old Ironsides). Es war unzuverlässig. Eine alte Werbung gab die Wahrheit unverblümt zu: „An regnerischen Tagen werden Pferde angehängt.“
Das Wetter bestimmte die Leistung. Wenn es regnete, fiel die Dampfmaschine aus. Pferde übernahmen.
Mit der Erweiterung des Netzwerks verlagerte sich der Schwerpunkt vollständig auf den Kohlebergbau. In den 1870er Jahren erwarb die Eisenbahn 30 Prozent der anthrazitfarbenen Ländereien Pennsylvanias. Der größte Teil dieses Grundstücks lag in den Kohlebezirken Schuylkill und Western Middle. Der Besitz der Minen bedeutete den Besitz der Treibstoffquelle. Es bedeutete auch, das finanzielle Risiko zu tragen.
Dieses Risiko erwies sich als zu groß, um es allein zu tragen. Die Belastung durch diese Investitionen zwang die Eisenbahn in den 1880er Jahren zweimal zur Insolvenz. Im Jahr 1896 geschah es erneut.
Um den Zusammenbruch zu überstehen, wurde 1896 die Reading Company gegründet. Sie begann als Holdinggesellschaft. Ihr gehörten die Philadelphia and Reading Railway Company und die Philadelphia and Reading Coal and Iron Company. Die Struktur trennte den Bahnbetrieb von den Bergbauanlagen, ein üblicher Schritt in Zeiten des wirtschaftlichen Abschwungs.
Die Strategie stabilisierte sich nicht sofort. Im Jahr 1923 wurde die Reading Company zu einer operativen Einheit. Sie fusionierte die Hauptbahn mit den erworbenen Nebenstrecken. Es verschluckte in den nächsten Jahrzehnten viele kleine Linien in Pennsylvania. Das Wachstum schien gesichert.
Aber der Kohlemarkt lag im Sterben. Die Nachfrage hat sich verschoben. Die Infrastruktur ist in die Jahre gekommen. 1971 wurde das Unternehmen wieder unter Konkursverwaltung gestellt. Der Zyklus wiederholte sich.
Ein Bundesgericht entschied 1974 gegen eine Umstrukturierung. Der Vermögenswert allein war es nicht wert, gerettet zu werden. 1976 wurden die meisten Bahnanlagen von der Consolidated Rail Corporation (Conrail) gekauft. Hierbei handelte es sich um eine staatlich anerkannte Einrichtung, die gegründet wurde, um die scheiternde Eisenbahnindustrie im Nordosten zu retten.
Die Reading Railroad existierte nicht mehr als unabhängiger Betreiber. Seine Gleise, seine Kohlebergwerke und sein Erbe wurden in ein neues, von der Regierung unterstütztes System integriert. Die Pferde waren zu diesem Zeitpunkt längst verschwunden, aber die finanziellen Engpässe hatten es trotzdem zunichte gemacht.

























