Innerhalb der US-Bundesregierung ist ein bedeutender Wandel im Gange. Früher zeichnete sich die Regierung durch eine strikte, neutrale Haltung gegenüber der Religion aus, um die Inklusivität aller Bürger zu gewährleisten. Heute erleben verschiedene Regierungsbehörden einen Zustrom offener christlicher Rhetorik, Gebetsgottesdienste und glaubensbasierter Mandate.
Vom Landwirtschaftsministerium bis zum Pentagon berichten Bundesangestellte von einer neuen Realität: Religiöser Ausdruck ist nicht mehr nur eine persönliche Angelegenheit – er wird zu einem Kernbestandteil der Behördenkultur.
Ein Wandel in der Agenturkultur
Der Trend wurde durch Kommunikation auf hoher Ebene und organisierte religiöse Veranstaltungen verstärkt. Beispielsweise hat USDA-Sekretärin Brooke Rollins kürzlich eine behördenweite E-Mail verschickt, in der sie die Auferstehung Jesu Christi feiert und sie als „Grundlage unseres Glaubens“ bezeichnet. Während das USDA behauptet, dass solche Botschaften im Recht eines Ministers liegen, haben viele Mitarbeiter ihr Unbehagen zum Ausdruck gebracht und darauf hingewiesen, dass eine solche offene Missionierung in zivilen Bundesämtern beispiellos sei.
In anderen Abteilungen zeichnen sich ähnliche Muster ab:
– Arbeitsministerium (DOL): Hier finden monatlich Gottesdienste statt, die von religiösen Persönlichkeiten geleitet werden, von denen einige Arbeit und Arbeit aus einer streng biblischen Perspektive betrachten.
– Small Business Administration (SBA): hat „Faith and Fellowship“-Gebetsgottesdienste ins Leben gerufen, die ausdrücklich darauf abzielen, religiöse Amerikaner zu erreichen, die sich unter früheren Regierungen im Visier gefühlt haben.
– Ministerium für Gesundheit und menschliche Dienste (HHS): Hat religiöse Sprache in politische Diskussionen integriert, wie zum Beispiel Minister Robert F. Kennedy Jr., der Sucht als „spirituelle Krankheit“ beschrieb.
– Verteidigungsministerium (DOD): Unter Minister Pete Hegseth veranstaltete das Pentagon Gottesdienste mit evangelikalen Führern, darunter auch solche mit Verbindungen zu christlich-nationalistischen Ideologien.
Die politischen Treiber: Neue Glaubensämter und OPM-Memos
Dieser kulturelle Wandel ist kein Zufall; Es wird durch aktuelle Exekutiv- und Verwaltungsmaßnahmen unterstützt. Im Februar 2025 wurde per Verordnung ein Glaubensbüro des Weißen Hauses unter der Leitung der Fernsehpredigerin Paula White-Cain sowie ähnliche Glaubensbüros in verschiedenen Behörden eingerichtet.
Darüber hinaus hat ein Memo des Office of Personnel Management (OPM) vom Juli 2025 einen Rahmen für diese Änderung bereitgestellt. Das Memo ermöglicht es Bundesangestellten, Kollegen zur Teilnahme an religiösen Ausdrucksformen wie Gebeten zu „ermutigen“, sofern dies nicht die Grenze zu rechtlicher Belästigung überschreitet. Diese Richtlinie gibt verwaltungstechnisch „grünes Licht“ für die religiösen Aktivitäten, über die derzeit in der gesamten Bundeslandschaft berichtet wird.
Die Spannung zwischen Religionsfreiheit und Neutralität
Die Integration des Christentums in den Arbeitsplatz hat zu einer tiefgreifenden Spannung zwischen zwei grundlegenden amerikanischen Prinzipien geführt: Religionsfreiheit und der Trennung von Kirche und Staat.
„Die Trump-Administration hat ein neues Kapitel in der Integration des Christentums in die tägliche Regierungsarbeit aufgeschlagen.“
— Don Moynihan, Professor für öffentliche Ordnung an der University of Michigan
Für viele Mitarbeiter geht es nicht um das Recht zu beten, sondern um den Verlust eines religiös neutralen Umfelds. In einer Regierung, die einer vielfältigen Bevölkerung dienen soll – darunter Atheisten, Muslime, Juden, Hindus und andere – kann die Präsenz exklusiver christlicher Gottesdienste ein Gefühl der Entfremdung hervorrufen.
Zu den spezifischen Bedenken der Mitarbeiter gehören:
* Exklusivität: Dienstleistungen, die ausdrücklich protestantisch oder christlich ausgerichtet sind, in Agenturen, die allen Amerikanern dienen sollen.
* Impliziter Druck: Während Dienste als „freiwillig“ gekennzeichnet sind, kann die Anwesenheit hochrangiger Beamter bei diesen Veranstaltungen einen „sanften Zwang“ erzeugen, bei dem die Mitarbeiter das Gefühl haben, sie müssten teilnehmen, um ihren guten Ruf zu wahren.
* Angst vor Vergeltungsmaßnahmen: Das Unbehagen in Bezug auf Whistleblowing wächst. Die Daten deuten auf einen starken Rückgang des Vertrauens der Bundesbediensteten hin, Fehlverhalten ohne Angst vor Vergeltungsmaßnahmen zu melden, und zwar von fast 72 % im Jahr 2024 auf nur noch 22,5 % im Jahr 2025.
Fazit
Die Bundesregierung erlebt einen grundlegenden Wandel im Umgang mit dem Glauben. Während religiöse Ämter institutionalisiert werden und Gebetsdienste Teil der Amtsroutine werden, erreicht die Debatte darüber, ob die Regierung ein neutraler Schiedsrichter für alle Bürger – unabhängig von der Glaubensrichtung – bleiben kann, einen kritischen Wendepunkt.
