Verzögerte Stromausfälle: Warum sturmbedingte Stromausfälle ihren Höhepunkt erreichen können, nachdem der Schnee aufhört

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Die schwerwiegendsten Stromausfälle aufgrund des Wintersturms an diesem Wochenende ereignen sich möglicherweise nicht unmittelbar während des Ereignisses selbst, sondern erst in den darauffolgenden Tagen, wenn angesammeltes Eis und Schnee Bäume und Stromleitungen belasten. Experten warnen, dass es am Montag und Dienstag wahrscheinlich zu Spitzenausfällen kommt, insbesondere in Texas und den mittelatlantischen Staaten, da sich die Bedingungen verschlechtern, nachdem der Schnee aufgehört hat zu fallen.

Die verzögerte Auswirkung der Eisansammlung

Im Gegensatz zu Hurrikanen, bei denen unmittelbare Überschwemmungen und Windschäden zu sofortigen Ausfällen führen, brauchen Eisstürme Zeit, bis sie ihre volle Wirkung entfalten. Das Gewicht der gefrorenen Niederschläge auf Ästen und der elektrischen Infrastruktur erhöht die Belastung stetig, bis Bruchstellen erreicht werden. Das bedeutet, dass Stromleitungen auch dann noch reißen, wenn sich die Bedingungen zu beruhigen scheinen und Geräte ausfallen.

Wei Du, Berater bei PA Consulting, erklärt dieses Phänomen kurz und bündig: „Nur weil der Schnee aufhört, heißt das nicht, dass das Schlimmste vorbei ist. Das ist häufig nicht der Fall.“* Diese Verzögerung ist kritisch, weil sie bedeutet, dass die Vorbereitungen über die unmittelbare Dauer des Sturms hinausgehen müssen.

Spitzennachfrage erhöht das Risiko

Verschärft wird dieses Problem durch den erwarteten Anstieg der Stromnachfrage Anfang nächster Woche. Der Spitzenverbrauch tritt typischerweise an Wochentagen morgens und abends auf, wenn sich Menschen auf die Arbeit und die Schule vorbereiten, und erneut, wenn sie nach Hause kommen. Dieser Nachfrageschub wird das bereits geschwächte Netz noch weiter belasten.

  • In Texas (verwaltet vom Electric Reliability Council of Texas) wird der Spitzenbedarf am Montag zwischen 5 und 8 Uhr prognostiziert.
  • Im gesamten Mittelatlantik (PJM-Netz, das 13 Bundesstaaten und DC abdeckt) wird erwartet, dass die Nachfrage am Dienstag von 7.00 bis 10.00 Uhr ihren Höhepunkt erreicht und möglicherweise Rekordhochs im Winter erreicht.

Proaktive Maßnahmen und erweiterte Warnungen

PJM hat seine Winterwetterwarnung bis zum 30. Januar verlängert und signalisiert damit einen längeren Zeitraum mit erhöhtem Risiko. Versorgungsunternehmen und Regierungsbeamte fordern nun große Energieverbraucher – wie Rechenzentren – auf, sich auf freiwillige Stromreduzierungen vorzubereiten, um einen Netzzusammenbruch zu verhindern. Dies deutet darauf hin, dass die Situation mit äußerster Vorsicht behandelt wird.

Der verzögerte Zeitpunkt dieser potenziellen Ausfälle verdeutlicht einen entscheidenden Punkt: Die Wiederherstellung nach einem Sturm erfolgt nicht augenblicklich. Der eigentliche Test für die Widerstandsfähigkeit des Netzes wird kommen, nachdem die unmittelbare Wettergefahr nachlässt, da anhaltende physische Schäden und eine erhöhte Nachfrage zusammen ein herausforderndes Szenario schaffen.