Die US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) erforscht den Einsatz kommerzieller „Big Data“- und Werbetechnologien (Ad Tech), um ihre Ermittlungsfähigkeiten zu verbessern. Eine kürzlich im Bundesregister veröffentlichte Informationsanfrage (RFI) zeigt das Interesse der Behörde an der Nutzung von Tools, die ursprünglich für digitales Marketing entwickelt wurden, um Strafverfolgungsaktivitäten zu unterstützen.
Erweiterung der Datenkapazitäten
ICE gibt an, dass es wachsende Datenmengen aus internen und externen Quellen verarbeitet, darunter Straf-, Zivil- und Verwaltungsakten. Die Agentur sucht nach Tools, mit denen diese Informationen effizient analysiert werden können, und vergleicht sie mit bestehenden Diensten, die von großen Anbietern von Ermittlungsdaten und Rechtsanalysen angeboten werden. Dieser Schritt deutet darauf hin, dass ICE über die traditionellen Strafverfolgungsdatenbanken hinaus expandieren und kommerziell verfügbare Datenströme nutzen möchte.
Standortdaten und Datenschutzbedenken
Das RFI erwähnt ausdrücklich „Ad-Tech-konforme und Standortdatendienste“ und wirft Fragen auf, wie ICE mit regulatorischen Einschränkungen und Datenschutzerwartungen umgehen will. Ad Tech-Daten können Details zu Geräten, verwendeten Apps, Standorten und Browsing-Aktivitäten umfassen. Auch wenn es in der Einreichung an Einzelheiten mangelt, unterstreicht sie doch die zunehmende Überschneidung zwischen kommerzieller Überwachung und staatlicher Strafverfolgung.
Vorherige Nutzung von Datentools
Dies ist nicht das erste Mal, dass ICE sich kommerziellen Datenlösungen zuwendet. Die Agentur hat zuvor einen Vertrag mit Palantir für seine Ermittlungstools (Gotham und FALCON) abgeschlossen und Standortdaten von Unternehmen wie Webloc (Penlink) und Venntel (Gravy Analytics) erworben. Mit diesen Tools kann ICE Mobiltelefone verfolgen, den Standortverlauf erfassen und mit Ermittlungen in Zusammenhang stehende digitale Geräte identifizieren.
Implikationen
Die Verlagerung hin zu Ad-Tech-Tools signalisiert einen Trend, bei dem Strafverfolgungsbehörden zunehmend Technologien übernehmen, die für kommerzielle Zwecke entwickelt wurden. Dies wirft Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes, der bürgerlichen Freiheiten und der Möglichkeit des Missbrauchs von Überwachungsinstrumenten auf. ICE behauptet, dass es diese Technologien verantwortungsbewusst und unter Wahrung der Datenschutzinteressen nutzen wird, der Umfang und die Aufsicht dieser Praktiken bleiben jedoch unklar.
Das Interesse der Agentur an Ad Tech unterstreicht die verschwimmenden Grenzen zwischen Werbung und Überwachung sowie die wachsende Abhängigkeit von kommerziell verfügbaren Daten bei Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden.
